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Tsunami Warnung – von Chile nach Neuseeland


Nachdem wir eine Woche bei Freunden in Wellington verbracht haben, war es Zeit aufzubrechen. Unser erster Stop: Riversdale Beach an der Ostküste. Auf dem Weg über Mt Hutt gab es erstmal einen fetten Stau. Ein Motorradfahrer musste per Helikopter ins Krankenhaus geflogen werden, nachdem er gegen die Felswand gefahren war. Die restliche Fahrt zur Küste war kurvig, bergig und ruhig. Umsäumt von grünen Hügeln mit weissen, wolligen Flecken mäanderte die Strasse entlang eines kleinen Flüsschens. Das Auenland lässt grüssen! Riversdale selbst ist mit 56 Einwohner eher klein geraten. Die lang gezogene Hauptstrasse ist relativ neu. Das Fahrvergnügen wird lediglich durch geschwindigkeitsmindernde Bumper getrübt, die ortsansässige Jugendliche davon abhalten sollen, mit ihren lauten, tiefergelegten Autos die Strasse auf und ab zu rasen. Besonders auffällig sind die kleinen runden Schilder, mit einer Welle drauf, die alle von der Küste weg in Richtung Hügel zeigen.
Am Südende des Strandes gibt es einen Parkplatz mit Toiletten. Es sind zwar nur Plumpsklos, oder “Long Drops”, wie die Kiwis sie nennen, aber damit sind wir völlig zufrieden. Neben ein paar anderen Campern haben sich auch ein paar Jugendliche mit Bier auf dem Parkplatz breit gemacht, um die Vollmondnacht zu genießen. Ein Schild am Eingang zum Strand setze alle Ankömmlinge davon in Kenntnis, dass dieser Strand sehr flach ist und dass im Falle eines Tsunamis die nahe gelegenen Hügel aufzusuchen sind. Haha, wie wahrscheinlich ist es denn, dass es hier einen Tsunami gibt??? Gleich null denken wir, und liefen noch ein wenig in der Abendsonne am Strand entlang. Vom Gelächter der Jugendlichen begleitet fielen wir nach dem Abendessen in einen seligen Schlaf.
Mitten in der Nacht wurden wir durch reges treiben an den anderen Campervans wach. Die örtliche Polizei hatte sich um 5:30 Uhr eingefunden, um den Jugendlichen einen Platzverweis zu erteilen, weil sie ihre Bier und Weinflaschen in der Gegend verteilt haben. Wie sich schnell rausstellt, war das aber nicht der wahre Grund. Alle anwesenden Personen wurden zu ihrem eigenen Schutz gebeten, die Küste zu verlassen. Ein Erdbeben in Chile hatte einen Tsunami ausgelöst, der sich auf die Ostküste Neuseelands zubewegt. Noch nicht ganz klar im Kopf fragte ich den Polizisten, ob er mich veralbern will. Nein! Und in der Tat gehen in dieser Sekunde die Sirenen der örtlichen Feuerwehr an, die alle Einwohner auf die Hügel bittet. Gegen 6 Uhr morgens finden wir uns mit unserem Van und einigen Einwohnern Riverdales auf einem Hügel ein. Es ist immer noch Dunkel und wir hofften, dass dieser Hügel hoch genug ist, um uns vor einem Tsunami zu bewahren. Tsunamierprobte Einwohner können uns aber beruhigen … hier oben sind wir sicher! Nach einem sehenswerten Sonnenaufgang bei völliger Wolkenfreiheit machte sich nicht nur bei uns der Wunsch nach Kaffee bemerkbar. Und so versorgten wir mit unserem Campingkocher und Instantkaffee die umliegenden Autos mit der raren Kostbarkeit. Die meist noch in Pyjama gekleideten Locals waren hoch erfreut und laden uns zu sich nach Hause ein. Immer unter dem Vorbehalt, dass das Haus später auch noch steht. Auch den beiden Polizisten können wir mit Tee und Wasser eine Freude machen. Ausgerechnet wir Touristen sind die ersten, die den beiden nach mehr als 6 Stunden Einsatz ein Getränk anboten. Das gespannte starren wurde leider nicht mit einer haushohen Welle belohnt. Einzig die Felsen am Ufer werden im Rhythmus von 15 Minuten von Wasser umgeben und wieder freigelegt. Das ganze mutet wie Ebbe und Flut an, nur eben viel schneller. Unsere Bemühungen um das leibliche Wohl aller Anwesenden wurde damit belohnt, dass wir als erstes über die Aufhebung der Tsunamiwarnung informiert wurden.
Wieder unten im Ort gingen wir als erstes zu einem älteren Pärchen in einem riesigen Haus. Ein Audi stand vor der Tür. Die komplette Hausfront, welche zum Wasser zeigt ist verglast. Prompt wurden uns Handtüchern und eine Dusche angeboten. Während wir duschen, wurde das Omelett für uns zubereitet. Unglaublich, dass es sich bei diesem Haus mit 5 Schlafzimmern und einem riesigen Pool Tisch nur um das Ferienhaus handelt. Als Buchhalter muss der Mann gut Geld verdient haben. Nach dem Frühstück kam Eileen, eine Mutter von 2 Jungs, die wir auch versorgt hatten, zu dem Haus. Sie hatte in der Zwischenzeit einen kleinen Kuchen für uns gebacken. Nachdem wir die Wasserkanister aufgefüllt hatten, bedankten wir uns artig uns machten uns auf den Weg zu neuen Abenteuern :)

  1. Dad
    8. März 2010, 09:07 | #1

    Tsunami: ..sonst hättet Ihr nie eine Sonnenaufgang gesehen ;-)

  2. mom
    9. März 2010, 21:20 | #2

    Hi, ihr Zwei, das war wieder eine tolle Geschichte. Du solltest sie später alle in einem Buch veöffentlichen.

    ich wünsche euch noch viele schöne Erlebnisse

    Küßchen Mom

  3. Jonas
    19. März 2010, 10:19 | #3

    Als Deutsche hättet ihr eigentlich noch Bratwürste verteilen müssen ;) Schöne Geschichte!

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